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Podcast & YouTube als Lernbegleitung für Azubis
Wie die ALTE OLDENBURGER Krankenversicherung AG digitale Lernformate systematisch in die Ausbildung von Fachinformatiker:innen integriert.
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Christian Lütnant @ Ausbildung.de
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24.09.26, 08:58
Orientierung statt starrer Auswahl: Siemens Energy verbindet Recruiting, Begleitung und freie Projekte zu einem Ausbildungskonzept.
Siemens Energy betrachtet Ausbildung als zusammenhängende Reise: vom ersten Kontakt im Ausbildungsmarketing über Recruiting, Preboarding und Onboarding bis zum Übergang in die Fachbereiche. Im industriellen Umfeld mit Fertigung und technischen Ausbildungsberufen wie Industriemechaniker:in, Mechatroniker:in und Elektroniker:in für Betriebstechnik sollen junge Menschen nicht nur Aufgaben ausführen. Sie sollen verstehen, warum sie etwas tun, eigene Entscheidungen treffen und schrittweise Verantwortung übernehmen.
Dieser Beitrag basiert auf einer Episode des Young Talents Podcasts. Die Folge ist weiter unten im Beitrag eingebettet und vertieft die hier zusammengefassten Learnings.
Sven Wißmann arbeitet bei Siemens Energy im Ausbildungsbereich und ist Produktmanager für Ausbildungsberufe. Zuvor war er als Recruiting- und Marketing-Spezialist für die Ausbildung tätig.
Marcel Hansen leitet die betriebliche Ausbildung in einem Werk von Siemens Energy und begleitet Auszubildende während ihrer Praxiseinsätze sowie mit Blick auf die spätere Übernahme in Fachabteilungen.
Vielen jungen Menschen mangelt es nicht an Motivation, sondern an Orientierung. Sie wollen Verantwortung übernehmen und etwas bewegen, benötigen dafür aber Vertrauen und geeignete Rahmenbedingungen.
Gleichzeitig treffen Schulabgänger:innen auf eine große Auswahl möglicher Berufswege. Sven Wißmann vergleicht diese Situation mit einem Parkplatz, auf dem alle Plätze frei sind und gerade deshalb die Entscheidung schwerfällt. Das Problem ist nicht das fehlende Angebot, sondern die Frage, welche der vielen Möglichkeiten zur eigenen Person passt.
Das Ausbildungskonzept SEED von Siemens Energy setzt an diesem Orientierungsbedarf an. Ausbildung wird nicht auf einzelne Lernstationen oder den eigentlichen Ausbildungsbeginn begrenzt. Berücksichtigt werden bereits das Marketing, das Preboarding und das Onboarding. Die Begleitung reicht anschließend bis zum Übergang aus der Ausbildung in die Fachbereiche.
Mehr zum Ausbildungskonzept SEED in diesem Gastbeitrag
Im Preboarding bezieht Siemens Energy teilweise auch nahestehende Personen wie Eltern oder beste Freund:innen ein. Orientierung wird damit nicht als punktuelle Entscheidung behandelt, sondern über mehrere Stationen und Kontaktpunkte hinweg begleitet.
„Man muss wegkommen davon, nur Aufgaben zuzuweisen. Also man muss schon den Sinn dahinter erklären und man muss die jungen Menschen auch mitnehmen auf dieser Reise."
Auch der Recruiting-Prozess wurde im Zuge des Ausbildungskonzepts überprüft. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche jungen Talente nicht nur anhand ihrer Noten, sondern auch als Person zum Unternehmen und zu einem Ausbildungsberuf passen.
Ein strukturierter Online-Fragebogen ersetzt bei Siemens Energy das klassische Anschreiben. Bewerbende können darin mehrere Berufe auswählen, wenn sie sich noch nicht auf eine Richtung festlegen können. Das Recruiting übernimmt dabei eine beratende Funktion.
Interessen, bevorzugte Schulfächer und bisherige Erfahrungen liefern Anhaltspunkte dafür, welche berufliche Richtung passen könnte. Die Mehrfachauswahl wird so nicht als fehlende Entschlossenheit behandelt, sondern als Ausgangspunkt für weitere Orientierung.
Nach Sichtung des Fragebogens, eines Zeugnisses und eines ersten Lebenslaufs folgt ein sogenannter Surprise Call. Das kurze Kennenlerntelefonat schafft einen frühen persönlichen Kontakt. Offene Punkte aus den Unterlagen lassen sich ebenso klären wie Fragen und Unsicherheiten aufseiten der Bewerbenden.
Anschließend findet ein persönliches Gespräch statt, das Recruiting und Praxisbereich gemeinsam führen. An die Stelle des früheren Assessment-Center-Formats tritt ein persönlicheres Kennenlernen.
Fragen nach Situationen, auf die Bewerbende stolz oder weniger stolz sind, öffnen den Blick auf Erfahrungen und Lernprozesse. Entscheidend ist nicht allein, welche Fehler jemand gemacht hat, sondern wie die Person damit umgeht und was sie daraus gelernt hat. Gerade für die Arbeit in der Fertigung ist eine offene Fehlerkultur relevant.
Geschwindigkeit bildet einen weiteren Bestandteil des Recruitings. Die Rückmeldung erfolgt in der Regel am Ende derselben Woche. In einem konkreten Fall lagen zwischen Bewerbungseingang und Einstellung zwei Wochen.
Verantwortung entsteht nur dort, wo Auszubildende echte Aufgabenpakete erhalten. Ausbilder:innen übernehmen deshalb nicht allein organisatorische Aufgaben, sondern gestalten Beziehungen. Bei Siemens Energy werden sie als Dream Team Coaches bezeichnet. Die Lernenden bilden das Dream Team und werden durch ihren Coach begleitet.
Die Zusammenarbeit zwischen Coach und Lernenden soll vertrauensvoll und auf Augenhöhe erfolgen. Der Coach steht nicht dauerhaft frontal vor der Gruppe, sondern wird Teil des Teams und unterstützt in den Situationen, in denen Begleitung erforderlich ist.
So entsteht ein Rahmen, in dem Lernende Entscheidungen treffen, Fehler offen behandeln und Verantwortung übernehmen können, ohne mit ihren Aufgaben alleingelassen zu werden.
Die formalen Anforderungen einer Ausbildung bleiben bestehen. Die sachlich-zeitliche Gliederung und die darin vorgesehenen Tätigkeiten bilden weiterhin den verbindlichen Rahmen. Siemens Energy verbindet diese Pflichtinhalte jedoch mit zusätzlichen Gestaltungsspielräumen.
Ein Beispiel sind vierwöchige Projektphasen. Sie beginnen mit der Ideenfindung und reichen bis zur Umsetzung und Präsentation. Die Lernenden entwickeln selbst, welches Projekt sie bearbeiten möchten. Dabei können auch berufsübergreifende Teams entstehen, etwa aus technischen Auszubildenden und Kaufleuten.
Innerhalb der Projektteams entstehen konkrete Verantwortungsbereiche. Dazu gehören beispielsweise die Rollen als Teamleitung oder Teamsprecher:in. Ausbilder:innen begleiten den Prozess, ohne jeden Arbeitsschritt vorzugeben.
Nicht jedes Projekt wird innerhalb des geplanten Zeitrahmens fertig. Ein Projekt kann dennoch zum Ausbildungserfolg beitragen, wenn die Lernenden erkennen, welche Annahmen nicht aufgegangen sind, weshalb mehr Zeit benötigt wurde und was sie in der nächsten Projektphase verändern müssen. Fehler werden damit nicht vom Lernprozess getrennt, sondern für die weitere Arbeit genutzt.
Sinn, Gestaltungsspielraum und Verantwortung müssen zusammenkommen. Eine Ausbildung, die lediglich Aufgaben zuweist, greift deshalb zu kurz. Auszubildende wiederholt mit einfachen Beschäftigungsaufgaben wie dem Zählen von Schrauben im Lager zu betrauen, steht diesem Anspruch entgegen.
„Da müssen die Unternehmen wirklich wegkommen und den jungen Leuten Verantwortung zutrauen und auch verantwortungsvolle Aufgaben übergeben.“
Orientierung endet nicht mit der Auswahl eines Ausbildungsberufs. Auch der spätere Einsatz in einer Fach- oder Übernahmeabteilung wird vorbereitet. Kurze Shadowing-Einsätze unterstützen dabei dual Studierende der Fachrichtungen Maschinenbau und Mechatronik, die zugleich eine Fachausbildung absolvieren, etwa als Industriemechaniker:in, Mechatroniker:in oder Elektroniker:in für Betriebstechnik.
Da diese Gruppe in den ersten drei Jahren nur begrenzt Zeit für praktische Einsätze in Fachabteilungen hat, dienen die kurzen Stationen zunächst dem persönlichen Kennenlernen und dem Überblick über unterschiedliche Tätigkeiten. Eine umfassende fachliche Mitarbeit steht in dieser Phase nicht im Vordergrund. Entscheidend ist, früh Kontakte zu möglichen Übernahmeabteilungen aufzubauen.
Gute Ausbildung zeigt sich nicht daran, dass Lernende am Ende alles können. Entscheidend ist die Handlungskompetenz, die sie für den Einstieg in ihr Berufsbild benötigen. Immer engere technologische Entwicklungszyklen verlangen Fachkräften ab, sich auf neue Anforderungen einzustellen.
Auszubildende sollen Veränderungen nicht mit Angst begegnen, sondern auf die Zeit nach ihrer Ausbildung vorbereitet sein. Da heute nicht vollständig absehbar ist, welche Bedingungen in drei oder vier Jahren gelten, rücken der Umgang mit Veränderungen, geeignete Werkzeuge und Resilienz in den Mittelpunkt.
Verantwortung in der Ausbildung bedeutet nicht, junge Menschen ohne Unterstützung arbeiten zu lassen. Sie entsteht aus Orientierung, Vertrauen, klaren Aufgabenpaketen, eigenen Projekten und einer Begleitung, die bei Bedarf unterstützt, aber nicht jeden Schritt vorgibt.
Orientierung bleibt eine zentrale Herausforderung
Orientierung ist nicht nur vor der Bewerbung relevant. Der aktuelle azubi.report zeigt: 44 Prozent der Azubis fanden es schwer, sich ihre berufliche Zukunft vorzustellen.
Der bei Siemens Energy beschriebene Ansatz setzt deshalb an mehreren Übergängen an: bei der Berufswahl, im Recruiting, während der Ausbildung und beim Wechsel in eine Fachabteilung.
Die vollständige Folge des Young Talents Podcasts beleuchtet, wie Siemens Energy Purpose, Orientierung und Ownership im Ausbildungsalltag verbindet. Sven Wißmann und Marcel Hansen sprechen über den Recruiting-Prozess, die Rolle der Dream Team Coaches, freie Projekte, Shadowing-Einsätze und den Umgang mit Fehlern.
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