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Podcast & YouTube als Lernbegleitung für Azubis
Christian Lütnant @ Ausbildung.de
:
07.05.26 17:06
Wie die ALTE OLDENBURGER Krankenversicherung AG digitale Lernformate systematisch in die Ausbildung von Fachinformatiker:innen integriert.
Zusammenfassung
• Wiederkehrende Grundlageninhalte werden als Podcast und YouTube-Videos vorproduziert und im Ausbildungsplan systematisch eingebunden.
• Die gemeinsame Zeit mit Auszubildenden wird für Anwendung, Reflexion und Projektarbeit genutzt statt für wiederholte Theorievermittlung.
• Prüfungsvorbereitung erfolgt gezielt über eigene Inhalte, die auf typische IHK-Frageformate ausgerichtet sind.
• Im Recruiting setzt das Unternehmen auf ganzjährige Ads und authentischen, von Azubis produzierten Kurzvideo-Content.
• Produktionsaufwand wird durch Vorproduktion, Evergreen-Inhalte und minimale Technik bewusst begrenzt.
Dieser Beitrag basiert auf einer Episode des Young Talents Podcasts. Die Folge ist weiter unten im Beitrag eingebettet und vertieft die hier zusammengefassten Learnings.
Der Experte
Stefan Macke: gestaltet als IT-Ausbilder und Ausbildungsleiter bei der ALTE OLDENBURGER Krankenversicherung AG digitale Lernformate für Fachinformatiker:innen und verantwortet Teile des Azubi-Recruitings.
Branche: Versicherung
In diesem Beitrag werden die folgenden Aspekte der Azubi-Kampagne von Schüco beleuchtet:
Digitale Lernmedien in der IT-Ausbildung
Prüfungsvorbereitungen zwischen Fachgespräch und SQL
Longform statt Kurzclip: Haltung zur Aufmerksamkeitsspanne
Social Media im Azubi-Recruiting eines regionalen Versicherers
Organisation, Budget und interne Freigaben
Einordnung von Ausbildung.de
Digitale Lernmedien in der IT-Ausbildung
Die ALTE OLDENBURGER Krankenversicherung AG mit Sitz in Vechta ist ein regionaler privater Krankenversicherer mit rund 300 Mitarbeitenden. Neben klassischen Versicherungsberufen bildet das Unternehmen unter anderem Fachinformatiker:innen für Anwendungsentwicklung aus.
Stefan Macke verantwortet seit vielen Jahren die IT-Ausbildung und hat früh begonnen, wiederkehrende Grundlageninhalte zu automatisieren. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass zentrale Themen in jedem Ausbildungsjahr erneut erklärt werden müssen. Statt diese Inhalte mehrfach in Lehrgesprächen zu vermitteln, werden sie als Podcast-Episoden oder YouTube-Videos aufgezeichnet.
Dieses Vorgehen folgt dem Prinzip eines invertierten Lernsettings: Grundlagen werden eigenständig rezipiert, die gemeinsame Zeit dient der Vertiefung, Diskussion und praktischen Anwendung. Besonders in der Softwareentwicklung steht für Macke die Umsetzung im Vordergrund. Theorie allein genügt nicht – Code muss geschrieben, Projekte müssen real umgesetzt werden.
Die digitalen Formate sind nicht optionaler Zusatz, sondern Teil des betrieblichen Ausbildungsplans. Zu bestimmten Terminen sind Episoden oder Videos fest eingeplant, ergänzt durch Lernzielkontrollen oder Fachgespräche. Gleichzeitig bleibt Methodenvielfalt erhalten: Neben Audio und Video kommen auch klassische Fachbücher zum Einsatz.
Prüfungsvorbereitungen zwischen Fachgespräch und SQL
Als IHK-Prüfer kennt Macke die Struktur der Abschlussprüfungen im IT-Bereich. Ein Teil der Prüfung besteht aus einem Fachgespräch, das rein mündlich geführt wird – ein Format, das sich gut über Audio trainieren lässt. Podcasts werden daher gezielt genutzt, um typische Frageformen zu simulieren und Antwortstrategien vorzubereiten.
Statt einzelne Prüfungen detailliert nachzubereiten, setzt Macke auf sogenannte Evergreen-Inhalte: Welche Themen können grundsätzlich abgefragt werden? Wie sollte argumentiert werden? Welche Struktur wird erwartet? Diese Ausrichtung vermeidet kurzfristige Aktualität zugunsten langfristiger Nutzbarkeit.
Urheberrechtliche Grenzen spielen dabei ebenfalls eine Rolle. Konkrete Prüfungsaufgaben dürfen nicht veröffentlicht werden. Die inhaltliche Aufbereitung konzentriert sich deshalb auf Prinzipien, nicht auf einzelne Aufgabenstellungen.
Die Inhalte sind nicht nur für eigene Auszubildende zugänglich. Ein Teil der Hörerschaft besteht aus anderen Ausbilder:innen, die die Materialien ebenfalls einsetzen. Für Macke ist das Teil einer Logik des Teilens: Auch er selbst nutzt externe Fachliteratur und Plattformen.
Longform statt Kurzclip: Haltung zur Aufmerksamkeitsspanne
Die zunehmende Verkürzung von Inhalten – insbesondere auf Plattformen wie TikTok – wird im Gespräch kritisch reflektiert. Während kurze Ausschnitte aus längeren Videos zur Reichweitensteigerung genutzt werden, bleibt der Kern der Wissensvermittlung bewusst ausführlich.
Komplexe Themen wie objektorientierte Programmierung oder Datenbankabfragen lassen sich aus seiner Sicht nicht sinnvoll in wenigen Sekunden erklären. Tiefe, Kontext und strukturierte Argumentation stehen im Vordergrund. TikTok und Instagram dienen eher als Einstiegspunkt, nicht als Lernplattform.
Gleichzeitig wird anerkannt, dass unterschiedliche Lernpräferenzen existieren. Audioformate ermöglichen es, Inhalte nebenbei zu konsumieren – etwa auf dem Arbeitsweg oder bei Routinetätigkeiten. Die technische Einstiegshürde ist gering: Ein Smartphone genügt.
„Ich wollte nicht die Interaktion wegautomatisieren, sondern das wiederholte Vermitteln von Grundlagen.“
Social Media im Azubi-Recruiting eines regionalen Versicherers
Neben der Lernbegleitung spielt Social Media auch im Recruiting eine Rolle. Die ALTE OLDENBURGER Krankenversicherung AG sucht pro Jahr mehrere Auszubildende im Versicherungsbereich sowie ein bis zwei IT-Auszubildende. Bewerbungen sind ganzjährig möglich.
Anzeigen auf Google, Instagram und YouTube laufen kontinuierlich. In Phasen erhöhter Bewerbungsaktivität – etwa nach den Sommerferien – wird das Budget erhöht. Organische Reichweite allein reicht aus Unternehmenssicht nicht aus, um relevante Sichtbarkeit zu erzielen.
Die Inhalte entstehen bewusst intern. Auszubildende konzipieren und drehen Kurzvideos selbst, meist mit dem Smartphone. Produziert wird in komprimierten Drehtagen, anschließend werden die Inhalte über Monate hinweg automatisiert ausgespielt. Externe Agenturmodelle wurden geprüft, aber aus Budget- und Authentizitätsgründen nicht umgesetzt.
Datenschutz und interne Freigabeprozesse stellen besondere Anforderungen. Gleichzeitig war es ein Lernprozess, nicht jede Kleinigkeit überzuoptimieren. Authentizität und Handlungsfähigkeit mussten gegen Perfektion abgewogen werden.
Organisation, Budget und interne Freigaben
Das Recruiting-Budget für Ausbildungsmarketing steht in Relation zum Gesamtunternehmen. Social Media darf nicht teurer sein als klassische Marketingmaßnahmen. Daher wird mit minimalem technischem Equipment gearbeitet; der Schwerpunkt liegt auf gutem Ton und klarer Botschaft.
Ein zentrales Learning betrifft interne Abstimmungsprozesse. Zu viele Freigabeschleifen können Motivation und Geschwindigkeit hemmen. Gleichzeitig müssen rechtliche Aspekte wie Urheberrechte – etwa bei Musiknutzung – berücksichtigt werden. Auch hier wurden Auszubildende aktiv in Recherche und Entscheidungsfindung eingebunden.
Das Ergebnis ist kein Hochglanz-Content, sondern ein pragmatischer Mix aus Ads, Evergreen-Videos und klarer Ausbildungspositionierung.
„Podcast ist für mich das niedrigschwelligste Medium: einfach zu produzieren und einfach zu konsumieren.“
Einordnung von Ausbildung.de
Der Ansatz der ALTE OLDENBURGER Krankenversicherung AG zeigt exemplarisch, wie Ausbildungsbetriebe mit begrenztem Budget digitale Lernformate strukturiert integrieren können. Entscheidend ist nicht die Plattformwahl, sondern die methodische Einbettung in den Ausbildungsplan. Digitale Inhalte ersetzen keine Ausbilder:innen – sie schaffen Freiraum für individuelle Förderung und Praxisanwendung.
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