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Wie Siemens Energy Verantwortung in der Ausbildung stärkt
Orientierung statt starrer Auswahl: Siemens Energy verbindet Recruiting, Begleitung und freie Projekte zu einem Ausbildungskonzept.
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Jasmin Link @ AEVO Akademie
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28.09.26, 14:35
Wer an Ausbildung denkt, denkt oft zuerst an Fachwissen. An jemanden, der zeigt, wie etwas geht, Aufgaben verteilt und am Ende die Prüfung abnimmt. Dieses Bild stimmt so schon lange nicht mehr. Ausbilder:innen vermitteln heute nicht nur Handgriffe und Theorie. Sie begleiten junge Menschen durch eine Lebensphase, in der sich vieles gleichzeitig verändert.
Sie sind Ansprechperson bei Unsicherheit. Sie moderieren Konflikte. Sie geben Orientierung und ehrliches Feedback. Fachlich sattelfest zu sein, reicht dafür nicht mehr aus. Das ist zur Grundlage geworden. Der Unterschied entsteht an einer anderen Stelle. Dieser Beitrag zeigt, wie sich das Rollenbild von verändert hat, welche Rollen heute dazugehören und welche Kompetenzen wichtiger werden. Und warum am Ende die Beziehung stärker über den Ausbildungserfolg entscheidet als reines Wissen.
Lange Zeit waren die Rollen klar verteilt. Der Ausbilder wusste, wie es geht. Der Azubi schaute zu und machte nach. Wissen floss in eine Richtung. Wer seinen Beruf beherrschte, galt fast automatisch als guter Ausbilder. Diese Logik trägt heute nicht mehr.
Ein Grund ist die Digitalisierung. Fachwissen ist heute fast überall abrufbar. Eine Erklärung, ein Tutorial, eine Anleitung sind in Sekunden gefunden. Was ein junger Mensch nicht so leicht findet, ist jemand, der ihm hilft, dieses Wissen einzuordnen. Jemand, der zeigt, worauf es wirklich ankommt und jemand der da ist, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt.
Genau hier setzt ein Rollenwechsel an. Ausbilder:innen werden zunehmend zu Lernbegleitenden. Lernen wird dabei als eigenständiges Handeln der Auszubildenden verstanden. Die Aufgabe ist nicht mehr, jeden Schritt vorzugeben. Die Aufgabe ist, selbstständiges Lernen möglich zu machen.
Dazu kommt der Wandel bei den jungen Menschen selbst. Sie stellen mehr Fragen. Sie wollen verstehen, warum etwas so gemacht wird.
Und schließlich verändert sich das Wissen selbst. Berufe wandeln sich schneller. Was heute Standard ist, kann in wenigen Jahren überholt sein. Wichtiger wird die Fähigkeit, Neues zu lernen und sich zu orientieren. Ausbilder:innen sind damit weniger die Quelle aller Antworten. Sie sind eher die Person, die zeigt, wie man zu guten Antworten kommt.
Fachwissen bleibt trotzdem wichtig. Ohne fachliche Tiefe gibt es keine Glaubwürdigkeit und keine gute Anleitung. Aber Fachwissen ist heute die Eintrittskarte. Es ist nicht mehr das, was gute Ausbildung ausmacht. Der eigentliche Wert entsteht darüber hinaus.
In der klassischen Ausbildung stand die Unterweisung im Mittelpunkt. Der Ausbilder zeigte, der Azubi übte nach. Moderne Ansätze beschreiben eine andere Rolle: die Lernbegleitung. Dahinter steckt die Idee, dass Menschen am besten lernen, wenn sie selbst handeln, ausprobieren und Verantwortung übernehmen. Die ausbildende Person gibt nicht mehr jeden Schritt vor. Sie schafft Situationen, in denen gelernt werden kann, stellt Fragen und gibt Rückmeldung. Das klingt nach weniger Steuerung. In Wahrheit ist es anspruchsvoller als die reine Vorführung.
Wenn Fachwissen die Grundlage ist, was kommt dann obendrauf? Im Alltag ziemlich viel. Ausbilder:innen wechseln oft mehrmals am Tag die Rolle, ohne dass es in einer Stellenbeschreibung steht.
Lernbegleiter:in: Sie planen Lernwege, strukturieren Aufgaben und schaffen Situationen, in denen selbstständiges Lernen gelingt. Das ist die Rolle, die alle anderen zusammenhält.
Diese Rollen kommen selten allein. Und sie kommen fast immer zusätzlich zum eigentlichen Job. In vielen Betrieben ist Ausbildung eine Aufgabe neben der Aufgabe. Ohne eigenes Zeitbudget, ohne Entlastung an anderer Stelle. Eine Studie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg im Auftrag der IG Metall zeigt, wie sehr das drückt. Sieben von zehn Ausbildenden berichten von Stress. Fast die Hälfte muss deshalb Abstriche bei der Qualität der Ausbildung machen. Nicht, weil sie es nicht besser wüssten. Es fehlt die notwendige Zeit.
Der Punkt ist wichtig. Diese Rollen sind kein netter Zusatz. Sie sind heute Kern der Aufgabe. Wer Ausbildung ernst nimmt, muss anerkennen, dass sie all das umfasst. Und dass niemand all das nebenbei und ohne Rückhalt leisten kann.
Die Befragung des betrieblichen Ausbildungspersonals durch die FAU Erlangen-Nürnberg für die IG Metall zeigt, wie voll der Alltag ist. 54 Prozent erleben widersprüchliche Anforderungen zwischen Ausbildungsaufgabe und regulärer Arbeit. 70 Prozent berichten von Stress. 59 Prozent von Mehrarbeit und Überstunden. 86 Prozent von einer gestiegenen Arbeitsintensität. 45 Prozent müssen deshalb Abstriche bei der Ausbildungsqualität machen. Das Ausbildungspersonal ist hoch motiviert. Oft fehlt aber der Rahmen, um alle Rollen wirklich auszufüllen.
Neue Rollen verlangen neue Kompetenzen. Die Ausbildereignung nach AEVO ist dafür die Basis. Sie qualifiziert für Didaktik und Berufsbildungsrecht. Sie deckt aber nicht alles ab, was der Alltag heute fordert. Vier Kompetenzen werden besonders wichtig.
Diese Kompetenzen fallen niemandem einfach zu. Unternehmen können sie gezielt entwickeln. Vier Ansätze helfen dabei.
1. Weiterbildung über die AEVO hinaus
Die AEVO ist der Einstieg. Darauf sollten Angebote zu Gesprächsführung, Feedback, Konfliktmoderation und Lernbegleitung aufbauen.
2. Zeit für die Ausbilderrolle einplanen
Kompetenz nützt wenig ohne Gelegenheit, sie anzuwenden. Ein fester Zeitanteil im Stellenprofil macht aus dem guten Willen eine verlässliche Aufgabe.
3. Austausch unter Ausbildenden ermöglichen
Wer schwierige Fälle mit anderen besprechen kann, lernt schneller und fühlt sich weniger allein. Kollegiale Fallberatung kostet wenig und wirkt viel.
4. Rollen klären und Rückhalt geben
Ausbildende müssen wissen, wofür sie zuständig sind und wo sie weiterleiten dürfen. Klare Ansprechpersonen und ein sichtbarer Rückhalt der Führung entlasten spürbar.
Am Ende läuft vieles auf einen Punkt hinaus. Menschen lernen bei Menschen, denen sie vertrauen. Das ist keine schöne Idee, es ist gut belegt. Fachlich saubere Ausbildung ist wichtig. Sie entfaltet ihre Wirkung aber erst, wenn die Beziehung zwischen Azubi und ausbildender Person stimmt.
Studien zur Ausbildungsqualität zeigen, wie unterschiedlich Auszubildende und Ausbildende dieselbe Ausbildung erleben. Diese Wahrnehmung fällt oft weit auseinander. Und je stärker sie auseinanderfällt, desto häufiger tauchen Abbruchgedanken auf. Wer also nur auf die eigene Sicht schaut, übersieht leicht, was beim Azubi wirklich ankommt.
Drei Dinge prägen diese Beziehung besonders.
Das erklärt auch, warum Fachwissen allein Abbrüche nicht verhindert. Fast jeder dritte Ausbildungsvertrag wird vorzeitig gelöst. Dahinter stehen selten fehlende Fachkenntnisse der Ausbildenden. Dahinter stehen oft Konflikte, fehlende Wertschätzung und das Gefühl, nicht gesehen zu werden. Beziehung ist damit kein weicher Faktor am Rand, sondern der Kern guter Ausbildung.
Ausbilder:innen sind heute weit mehr als Wissensvermittelnde. Sie sind Coach, Mentor:in, Feedbackgeber:in, Konfliktlöser:in, Motivator:in und Lernbegleiter:in in einer Person. Fachwissen bleibt die Grundlage. Den Unterschied macht aber, wie gut jemand junge Menschen begleitet, Beziehung aufbaut und Orientierung gibt.
Das ist anspruchsvoll. Aber es ist erlernbar. Unternehmen, die ihre Ausbildenden gezielt weiterbilden, ihnen Zeit geben und den Rücken stärken, bekommen mehr zurück als gut vorbereitete Prüflinge. Sie bekommen junge Menschen, die bleiben, mitdenken und selbst zu guten Fachkräften werden.
Schauen Sie diese Woche einmal genau hin: Welche Rolle übernehmen Ihre Ausbildenden gerade am häufigsten? Und was brauchen sie, um sie gut auszufüllen? Fragen Sie nach. Und geben Sie ihnen die Unterstützung, die diese Rolle verdient.
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