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Generation KI: Wie technologischer Fortschritt Berufsorientierung verändert
Berufsorientierung war schon immer komplex. Doch für die Generation Z wird sie zunehmend zur Überforderung. Mehr als 320 Ausbildungsberufe,...
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Anastasia Barner
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29.06.26 16:16
Wir wollen nicht in Schubladen denken, tun aber genau das, sobald es um das Thema Generationen geht. Kaum einer Altersgruppe wird mit so vielen Vorurteilen begegnet, bevor sie überhaupt zu 50 Prozent auf dem Arbeitsmarkt sind, wie der Generation Z.
Faul, fordernd und verwöhnt sind nur ein paar der Klischees, die man über sie hört. Seit Jahren spricht und schreibt Anastasia Barner über genau diese Themen und räumt mit Vorurteilen auf. Was stimmt und mit welchem Vorurteilen liegen die Medien komplett daneben? Und sind wir uns nicht alle, egal ob den Jüngeren oder Erfahreneren, ein wenig ähnlicher, als wir uns selbst teilweise eingestehen wollen?
Die Generation Z. Ein Begriff, der einige Leser:innen eventuell schon beim Lesen zusammenzucken lässt. Die einen, weil sie es nicht mehr hören können, die anderen, weil sie negative Erfahrungen gemacht haben. Daher lassen sie uns, ganz in der Gen-Z-Manier, gemeinsam bei null starten, mental durchatmen und Fakt von Vermutung trennen.
Es gab schon immer Generationen. Damals wurde meist von Jahrgängen gesprochen – aber sie alle haben in ihren Epochen Dinge erlebt, die sie geprägt haben. Seien es Hüfthosen, der Babyboom 1946 bis 1964, der Namensgeber für die Babyboomer Generation war, bis hin zu politischen Ereignissen. Mitunter kann es auch der Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin sein (zum Beispiel Angela Merkel, liebevoll „Mama Angi“ genannt) die zu der Jugendzeit regierten.
Derzeit leben weltweit sieben Generationen auf dem Planeten Erde mit 8,4 Milliarden Menschen. Chronologisch ist die Reihenfolge:
Wenn wir uns die Welt und ihre Mitbewohner also als Familie vorstellen, ist es kein Wunder, dass es Reibungen zwischen den diversen Jahrgängen gibt.
Wie in jedem Mehrgenerationenhaushalt will man anders sein, sich abgrenzen, besonders von den Eltern. Die Älteren schütteln den Kopf über den Musikgeschmack, den Kleidungsstil und die Karriereentscheidungen der Jungen. Während die jungen Erwachsenen sich missverstanden fühlen, ungehört und teilweise auch ungesehen.
Doch ist dies keine Neuheit, sondern der Kreislauf des Lebens. Jung will sich abgrenzen, vergisst dabei aber, dass der ABBA Techno Remix, der auf TikTok viral geht, die Musik ist, zu denen bereits die Eltern in der Jugend getanzt haben. Genau wie wir mit dem Älterwerden vergessen, dass wir alle auch mal jung waren.
Doch zurück zu den Vorurteilen, mit denen sich meine Generation konfrontiert sieht.
Das wohl am meisten gehörte Klischee: Die Gen Z ist faul. Doch zum Glück gibt es mittlerweile Studien, die dies widerlegen. Denn Generation Z ist nicht faul. Und das ist nicht nur eine Aussage, die ich als nicht faule Gen Z Person tätige, sondern dank des Instituts für Arbeitsmarkt- & Berufsforschung gibt es eine Datengrundlage, die das bestätigt.
Die Erwerbsbeteiligung der 20- bis 24-Jährigen ist seit 2015 von 70,2 Prozent auf 75,9 Prozent gestiegen. Damit hat diese den Höchstwert seit Jahren erreicht. Das belegt: Wir arbeiten. Was sich allerdings geändert hat, sind die Forderungen an den Arbeitsmarkt.
Ein weiteres Klischee, welchem ich häufig begegne, dreht sich rund um die Themen „Work-Life-Balance“ und „4-Tage-Woche“. Dabei zeigen auch hier Studien (z.B. die von der Hans-Böckler-Stiftung), dass dieses Thema altersübergreifend ist und der Wunsch nach einer Arbeitszeitverkürzung auch von Personen diverser Altersgruppen geäußert wird.
Wer heute mit jungen Menschen spricht, merkt schnell: Wir wollen arbeiten – aber anders. Nicht, weil wir weniger leisten möchten, sondern weil wir Arbeit neu bewerten und es für uns andere Statussymbole abseits von Arbeit gibt.
Während vorherige Generationen häufig mit dem Gedanken aufgewachsen sind, dass Karriere vor allem Sicherheit geben muss, fragt die Gen Z häufiger nach Sinn, Flexibilität und mentaler Gesundheit. Und ehrlich gesagt: Ist das wirklich so falsch? Wünschen wir uns nicht alle, bei der Arbeit gesehen zu werden, Sinnhaftigkeit und persönliches Wachstum über die Karriereleiter hinaus?
Wenn wir uns die letzten Jahre anschauen, wird deutlich, unter welchen Umständen diese Generation groß geworden ist: Pandemie, Inflation, Klimawandel, Kriege und ein Arbeitsmarkt im ständigen Wandel. Ebenfalls herausfordernd: Das angebrochene Zeitalter der KI, welche ganze Berufe ersetzbar gemacht hat, für die Teile der Generation noch studiert haben.
Während vorherige Generationen oft lineare Lebensläufe kannten, erleben junge Menschen heute vor allem Unsicherheit.
Das Studium ist keine Garantie mehr und mit dem Abbau von Stellen in vielen Unternehmen sind auch Juniorpositionen betroffen. Vielleicht ist es also weniger Faulheit, von der wir in Bezug auf die Gen Z sprechen, sondern vielmehr der Wunsch nach Stabilität in einer Welt, die sich permanent verändert.
Das Thema mentale Gesundheit ist gutes Beispiel für den Wunsch nach Stabilität – in diesem Fall nach persönlicher, mentaler und physischer Stabilität. Junge Menschen sprechen heute offener über Stress, Überforderung oder Burnout als andere Generationen. Das wird oft als „zu sensibel“ abgestempelt.
Dabei könnte man es auch anders betrachten: Die Generation Z benennt Probleme, über die andere Generationen jahrzehntelang geschwiegen haben. Und genau das verändert aktuell unsere Arbeitswelt.
Unternehmen beschäftigen sich stärker mit mentaler Gesundheit, flexiblen Arbeitsmodellen oder einer gesünderen Führungskultur. Nicht nur wegen der Gen Z, sondern weil viele merken: Die bisherige „Augen zu und durch“-Mentalität funktioniert langfristig nicht. Nicht nur für eine Generation, sondern für alle.
Auch beim Thema Loyalität gegenüber Arbeitgebern wird die Gen Z häufig kritisiert. „Die wechseln ständig den Job“, hört man oft. Doch auch hier lohnt sich ein zweiter Blick.
Junge Menschen verlassen Unternehmen heute schneller, wenn Wertschätzung, Entwicklungsmöglichkeiten, eigenes Wachstum oder Kommunikation fehlen. Früher blieb man teilweise Jahrzehnte in einem Betrieb, nicht immer aus Zufriedenheit, sondern oft aus Mangel an Alternativen oder aus Angst vor Veränderung.
Die Gen Z hat gelernt, dass Arbeit ein Teil des Lebens ist, aber nicht das gesamte Leben sein sollte. Und in der heutigen Zeit müssen wir flexibel sein. Ob wir wollen oder nicht.
Was wir häufig bei der Debatte vergessen: Viele Forderungen der Gen Z kommen am Ende allen Generationen zugute. Homeoffice, flexible Arbeitszeiten oder mehr Fokus auf mentale Gesundheit wünschen sich längst nicht mehr nur Berufseinsteiger:innen. Die Diskussion wurde vielleicht von den Jüngeren angestoßen, profitieren können am Ende jedoch alle davon.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, den wir in Gesprächen oft vergessen: Die Gen Z stellt Fragen, die sich viele Menschen schon lange stellen, nur eben lauter. Warum definieren wir Produktivität immer noch über Anwesenheit statt über Ergebnisse? Warum gilt Erschöpfung bis zum Burnout häufig als Zeichen von Erfolg? Und warum bewerten wir (junge) Menschen oft vorschnell, statt zuzuhören?
Am Ende wollen die meisten Menschen generationenübergreifend ähnliche Dinge: ernst genommen werden, fair bezahlt werden und ein Leben führen, das nicht ausschließlich aus Arbeit besteht. Die Unterschiede zwischen den Generationen liegen oft weniger in den Werten als vielmehr darin, wie offen darüber gesprochen wird.
Die Wahrheit ist: Der Arbeitsmarkt funktioniert nur gemeinsam. Und das schon seit jeher. Nicht gegen die Gen Z, nicht gegen erfahrene Generationen, sondern miteinander. Denn jede Altersgruppe bringt eigene Erlebnisse, Perspektiven und Stärken mit. Die Herausforderung für Unternehmen besteht heute nicht darin, eine Generation „umzuerziehen“, sondern Brücken zwischen ihnen zu bauen.
Eine Maßnahme, die dabei immer häufiger genutzt wird, ist das sogenannte „Reverse Mentoring“. Dabei lernen nicht nur die Jüngeren von den Erfahreneren, sondern auch umgekehrt.
Während ältere Mitarbeitende ihr Fachwissen, ihre Berufserfahrung und strategisches Denken weitergeben, teilen jüngere Generationen Wissen über digitale Trends, Social Media oder neue Arbeitsweisen. Und genau darin liegt die Stärke: Lernen wird keine Einbahnstraße mehr.
Statt des typischen Mentor-Mentee-Gefälles, begegnen sich zwei Menschen unterschiedlicher Generationen auf Augenhöhe, lernen voneinander und bleiben somit offener gegenüber anderen.
Viele Unternehmen stellen mittlerweile fest, dass junge Mitarbeitende nicht einfach nur „Benefits“ wollen, sondern vor allem Transparenz und Beteiligung. Wer Entscheidungen nachvollziehbar erklärt, regelmäßig Feedback gibt und Mitarbeitende ernst nimmt, schafft Vertrauen. Gerade die Gen Z möchte verstehen, warum Dinge getan werden. Sie gibt sich nicht damit zufrieden zu hören, dass sie einfach getan werden müssen.
Auch die Kommunikation spielt eine große Rolle. Während manche Führungskräfte kurze Antworten oder direkte Kritik als respektlos wahrnehmen, wünschen sich viele junge Menschen vor allem ehrliche und klare Kommunikation.
Missverständnisse entstehen oft weniger durch mangelnde Arbeitsbereitschaft, sondern durch unterschiedliche Erwartungen.
Ein weiteres wichtiges Thema ist Flexibilität. Flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice werden häufig als „Extrawunsch“ der Gen Z dargestellt. Dabei zeigen viele Unternehmen mittlerweile, dass genau diese Modelle Produktivität und Zufriedenheit steigern können.
Wichtig ist hierbei allerdings Balance. Flexibilität bedeutet nicht fehlende Verantwortung. Im Gegenteil: Viele junge Menschen wünschen sich klare Ziele und Eigenverantwortung, nur eben mit mehr Vertrauen statt starrer Kontrolle.
Was einige Unternehmen unterschätzen: Die Unternehmenskultur verbleibt nicht
verborgen hinter den Unternehmensmauern. Sie spricht sich herum.
Gerade junge Generationen informieren sich intensiv über Arbeitgeber auf Social Media, Bewertungsplattformen oder durch persönliche Erfahrungen im Freundeskreis. Eine gesunde Unternehmenskultur wird damit zunehmend zum Wettbewerbsvorteil.
Am Ende geht es also nicht darum, ob die Gen Z „schwieriger“ ist als andere Generationen. Denn mit großer Wahrscheinlichkeit ist sie einfach nur die erste Generation, die laut ausspricht, was viele schon lange denken.
Unternehmen, die das verstehen, werden langfristig nicht nur junge Talente gewinnen, sondern generell attraktivere Arbeitsorte schaffen, die dann vielleicht auch weit mehr sind als nur „Arbeitsorte“.
Die Diskussion rund um die Generation Z sagt oft weniger über die jungen Menschen aus als über unsere Gesellschaft selbst. Denn jede Generation wurde irgendwann kritisiert, unterschätzt oder missverstanden.
Und trotzdem haben sie die Arbeitswelt verändert und weiterentwickelt. Jede Altersgruppe hat auf ihre Weise ihren Stempel hinterlassen. Dies gilt es, nicht zu vergessen.
Die Gen Z ist nicht faul. Sie arbeitet, stellt Fragen, fordert Veränderungen und möchte Arbeit stärker an das eigene Leben anpassen. Sei es in der Festanstellung, Selbstständigkeit oder mit einer Portfolio-Karriere. Das mag ungewohnt wirken, besonders in einer Arbeitswelt, die lange von Leistung um jeden Preis geprägt war.
Doch viele Themen, die heute kritisch diskutiert werden, könnten morgen selbstverständlich sein, genauso wie Homeoffice oder flexible Arbeitszeiten.
Vielleicht sollten wir also aufhören, Generationen gegeneinander auszuspielen, und stattdessen anfangen, voneinander zu lernen. Denn gute Zusammenarbeit entsteht nicht durch Vorurteile, sondern durch Verständnis, Kommunikation und gegenseitigen Respekt. Und genau darin liegt vermutlich die eigentliche Zukunft der Arbeitswelt.
Quellen:
25. Mai 2026
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