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Sinnfluencen: Wie Social Media die Berufswahl der Gen Z beeinflusst
Die Welt der Jugendlichen ist digital und social – auch in Bezug auf Zukunftsplanung und Berufsorientierung.
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Tobias Klem @ Ausbildung.de
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18.05.26 16:14
Die Ausbildung steht 2026 an einem Wendepunkt. Fachkräftemangel, demografischer Druck, technologische Umbrüche und eine Generation, die mit Dauerkrisen aufgewachsen ist, verändern die Erwartungen junger Menschen grundlegend.
Während frühere Debatten häufig um Attraktivität, Image oder den „Traumjob“ kreisten, zeigt der azubi.report 2025/26 ein deutlich realistischeres Bild: Die Generation Z sucht keine perfekte Karriere – sie sucht Orientierung, Sicherheit und verlässliche Perspektiven.
Für Ausbildungsbetriebe bedeutet das: Klassische Rezepte reichen nicht mehr aus. Wer heute ausbildet, übernimmt mehr als Wissensvermittlung. Ausbildung wird zum Stabilitätsversprechen – und damit zu einem strategischen Faktor der Fachkräftesicherung.
Berufsorientierung entscheidet heute früher und stärker über den Erfolg einer Ausbildung als je zuvor. Die Daten aus dem azubi.report 2025/26 zeigen, wie groß die Unsicherheit ist: 44 Prozent der Auszubildenden hatten Schwierigkeiten, sich ihre berufliche Zukunft vorzustellen, 42 Prozent wussten nicht, wie sie ihre eigenen Stärken einordnen sollen.
Diese Zahlen machen deutlich, dass Orientierungslosigkeit kein individuelles Versagen ist, sondern eine strukturelle Herausforderung. Die Vielzahl an Ausbildungsberufen, eine digitale Informationsflut und widersprüchliche Zukunftsbilder erschweren klare Entscheidungen. Orientierung wird damit zu einem Prozess, der Zeit, Einordnung und Begleitung braucht.
Unternehmen, die erst im Bewerbungsprozess sichtbar werden, kommen oft zu spät. Wer früh Einblicke bietet, realistische Erwartungen setzt und verständlich erklärt, wie ein Beruf im Alltag aussieht, gibt jungen Menschen Halt – und verschafft sich selbst einen Vorsprung im Wettbewerb um Nachwuchskräfte.
Fehlende Orientierung führt häufig zu:
Ausbildung scheitert oft nicht erst im Betrieb – sondern schon lange vor der Bewerbung.
Die Folgen mangelnder Orientierung zeigen sich deutlich in den Abbruchzahlen. 26 Prozent der Befragten haben bereits darüber nachgedacht, ihre Ausbildung abzubrechen. Auffällig ist dabei: Die Gründe liegen selten ausschließlich in fachlichen Anforderungen. Viel häufiger nennen Azubis Überforderung, Interessenverlust oder das Gefühl, nicht ausreichend begleitet zu werden.
In vielen Fällen entsteht diese Überforderung, weil Erwartungen und Realität nicht zusammenpassen. Wer erst während der Ausbildung feststellt, dass Tätigkeiten, Arbeitskultur oder Entwicklungsperspektiven nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen, zweifelt schneller – und verlässt im Zweifel den Betrieb oder sogar das Ausbildungssystem insgesamt. Fehlende Passung ist damit kein individuelles Problem, sondern ein konkreter Kostenfaktor für die Fachkräftesicherung.
Kaum ein Instrument wirkt so nachhaltig wie praktische Erfahrung. Der azubi.report 2025/26 zeigt: 42 Prozent der Auszubildenden haben ihren Ausbildungsberuf über ein Praktikum kennengelernt. Fast neun von zehn bewerten dieses Praktikum als hilfreich oder sehr hilfreich für ihre Entscheidung.
Praktika ermöglichen genau das, was vielen im Orientierungsprozess fehlt: konkrete Einblicke, ehrliche Eindrücke und die Möglichkeit, Erwartungen mit der Realität abzugleichen. Sie reduzieren Fehlentscheidungen, stärken Motivation und schaffen frühzeitig Bindung. Für Unternehmen sind Praktika deshalb kein Zusatzangebot, sondern eine zentrale Strategie zur Fachkräftesicherung – insbesondere in Zeiten knapper Bewerbermärkte.
Das verdeutlicht: KI wird als Unterstützung wahrgenommen, nicht als Entscheidungsinstanz. Je digitaler Orientierung und Bewerbung werden, desto wichtiger werden die Aspekte, die nicht automatisierbar sind – persönliche Gespräche, Authentizität und echte Begegnungen. Gerade in einer KI-geprägten Welt wird Vertrauen zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal.
Künstliche Intelligenz ist längst Teil der Berufsorientierung. 54 Prozent der Azubis nutzen digitale Tools, um
sich zu informieren, 15 Prozent empfinden KI-Anwendungen wie ChatGPT dabei als besonders hilfreich. Gleichzeitig zeigt sich eine gewisse Skepsis: Nur rund ein Drittel vertraut den Ergebnissen vollständig.
Die zentrale Erkenntnis des azubi.report 2025/26 lautet: Sicherheit schlägt Leidenschaft. Drei von vier Auszubildenden wünschen sich für ihre Zukunft einen sicheren Arbeitsplatz – deutlich vor Karriere, Selbstverwirklichung oder Status.
Diese Prioritäten sind kein Ausdruck von Bequemlichkeit, sondern eine Reaktion auf eine unsichere Welt. Ausbildung wird als Fundament verstanden, das Stabilität und Planbarkeit bietet – und nicht als bloßer Einstieg in einen Traumjob.
Sicherheit heißt nicht Stillstand, sondern
planbare Perspektiven
verlässliche Prozesse
transparente Kommunikation
realistische Entwicklungschancen
Entgegen mancher Vorurteile entscheiden sich junge Menschen sehr reflektiert für eine Ausbildung. 56 Prozent haben diesen Weg sehr bewusst gewählt, 62 Prozent, weil sie darin gute Zukunftschancen sehen.
Diese bewusste Entscheidung erhöht zugleich die Erwartungen an Ausbildungsbetriebe. Wer sich aus Überzeugung für eine Ausbildung entscheidet, erwartet Verlässlichkeit, Förderung und Perspektiven. Unternehmen, die diese Erwartungen erfüllen, profitieren von hoher Zufriedenheit und Bindung.
71 Prozent der Azubis können sich vorstellen, nach der Ausbildung im Unternehmen zu bleiben. Gleichzeitig halten nur 40 Prozent eine Übernahme für sehr wahrscheinlich. Diese Lücke zeigt: Der Wille zur Bindung ist da – es fehlt oft an klarer Kommunikation.
Übernahmechancen, Entwicklungswege und Weiterbildungsperspektiven werden nicht immer transparent gemacht. Dabei zeigt der Report deutlich, dass Perspektiven ein entscheidender Faktor für Bindung sind. Förderung beginnt nicht nach der Ausbildung, sondern bereits im Recruiting.
Der azubi.report 2025/26 macht unmissverständlich klar: Ausbildung ist kein Auslaufmodell, sondern der Stabilitätsanker einer unruhigen Zeit. Sie vermittelt Sicherheit, schafft Perspektiven und bindet Fachkräfte – wenn sie richtig gestaltet wird.
Unternehmen, die Orientierung bieten, Sicherheit glaubwürdig vermitteln und Entwicklung aktiv ermöglichen, gewinnen nicht nur Auszubildende. Sie sichern sich die Fachkräfte von morgen.
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