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Ist die Ausbildung im Gesundheitswesen in der Krise?

Geschrieben von Tobias Klem | 13.10.21 08:30

Die Coronakrise hat Soziale und Gesundheitsberufe in den Fokus gebracht. Nicht nur, dass die Öffentlichkeit sich der täglichen Herausforderungen und Leistungen der sogenannten systemrelevanten Berufe bewusst geworden ist, sondern auch die allgemeine Arbeitssituation von Angestellten in diesem Bereich wurde diskutiert und zum Politikum.

Doch eines hat sich in diesem Diskurs besonders herauskristallisiert: Nachwuchs wird dringend benötigt. In diesem Blogbeitrag werfen wir deshalb einen Blick auf diejenigen, die sich aktuell in einer Ausbildung im Bereich Soziales und Gesundheit befinden. Was treibt sie an? Wie wohl fühlen sie sich mit dem, was sie tun und wie war ihr Weg in die Ausbildung?

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Systemrelevanz trifft Zukunftschancen

Das Gute: Ausbildungsberufe im Bereich Soziales und Gesundheit sind nicht nur sehr beliebt. Die Entscheidung dafür wird meistens ganz bewusst getroffen. Auszubildende sehen darin einen Beruf mit Zukunft, in dem es auf die praktischen Fähigkeiten ankommt.

Im Vergleich zur Gesamtheit der Befragten des azubi.reports 2021 gibt es eine deutliche Mehrheit derer, die das Gefühl haben, dass ihre Arbeit wichtig ist – nämlich über 80 Prozent. Das macht deutlich, wie sehr sich Auszubildende ihrer Verantwortung in ihrem Tätigkeitsbereich bewusst sind. Und so sehen auch mehr als die Hälfte der Auszubildenden ihren Beruf als Traumausbildung an. Im Hinblick auf die Fachkräftesicherung erfreulich. Bedenklich ist dagegen, dass dennoch nur die Hälfte der Azubis den Beruf auch nach der Ausbildung ausüben möchten – oder diesbezüglich noch unentschlossen sind.

Eine Überzeugungsarbeit, die im Betrieb stattfinden muss. Doch gerade dabei wird die Überbelastung der Pflegekräfte – und eben auch der Ausbilder – deutlich. Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten erhält ausreichend Unterstützung, wenn sie benötigt wird. Wer mit seinen Aufgaben überfordert ist, keine Ansprechpartner:innen hat, an die sich bei Ängsten, Sorgen und Problemen gewendet werden kann, wird bezüglich einer Entscheidung für die Zukunft eher ins Zweifeln kommen und sich nach Alternativen umschauen. Doch auch der Weg in die Ausbildung kann entscheidend sein, wenn es darum geht, Fachkräfte von Morgen zu gewinnen und langfristig zu überzeugen.

Praktika – ein wichtiger Hebel im Recruitingprozess

Echte Erfahrungen sammeln und wissen, wie sich der Beruf anfühlt – ein Praktikum kann eindrücklich vermitteln, was eine Stellenanzeige nur in Worte fassen kann. Natürlich hat die Coronakrise genau das für Schüler:innen zeitweise erschwert: Praxiserfahrungen vor Ort zu sammeln. Doch im gelebten New Normal sollten auch Praktika wieder möglich sein. Denn gerade im Bereich Soziales und Gesundheit zeigt sich: Sie sind der Einstieg in den Beruf. Knapp die Hälfte der Befragten aus diesem Berufsfeld haben so den Weg in ihren Job gefunden.

Berufung schlägt Vergütung

Genau diese gesammelte Erfahrung führt unter anderem dazu, dass es zu einer tatsächlichen Entscheidung für den Beruf kommt. Denn Ausbildungsvergütung ist weit weniger von Bedeutung als bei den Gesamtbefragten. So geben im Bereich Gesundheit und Soziales überdurchschnittlich viele – und damit mehr als die Hälfte – an, dass die Vergütung bei der Wahl ihres Berufs und auch bei der Wahl ihres Arbeitgebers keine Rolle gespielt hat. Umso mehr wissen sie ihre Arbeitskollegen und die gute Stimmung am Arbeitsplatz zu schätzen.

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Der Bruch in der Candidate Journey

Doch auch wenn die Berufung bereits gefunden ist: Den angehenden Auszubildenden im Bereich Soziales und Gesundheit steht nach der Entscheidung für den Job noch der Bewerbungsprozess bevor. Doch an dieser entscheidenden Schlüsselstelle leidet die Candidate Experience. Das Problem: die Inkohärenz aus digitaler Suche und postalischer Bewerbung. Über die Hälfte aller potenziellen Auszubildenden nutzen digitale Angebote, um sich über Arbeitgeber und Ausbildungen zu informieren. Doch deutlich mehr Befragte aus dem Bereich Soziales und Gesundheit versenden ihre Bewerbung noch auf postalischem Weg – die übrigens am digitalen Medium, Laptop oder PC, verfasst wird.

Diese Zäsur im Prozess, der Umbruch von digital auf analog, führt zum Verlust potenzieller Bewerber:innen. Denn die Erwartungshaltung der Zielgruppe ist hoch. Ihre Online-Experience ist so komfortabel wie einfach: mit wenigen Klicks zum Ziel. Der digitale Bewerbungsweg ist daher die logische Konsequenz, um die Candidate Journey maßgeblich zu erleichtern, um so aus Bewerber:innen die Fachkräfte von morgen zu machen.